Einmal Ararat und zurück mit zwei BMW GS

vom Main zum Ararat und zurück, eine Reise über 12 000 km

von Udo und Peter

Reisedauer vom 15.09. bis 13.10.2005

 

 

Schroffe schneebedeckte Bergketten, mächtige Felsplateaus und anatolische Weiten...alles das habe ich 10 Jahre auf meinen Reisen in die Türkei vom Flugzeug aus gesehen. Und immer wieder drängte sich der Wunsch auf, dieses wilde Land einmal mit meinem Motorrad zu durchqueren. Der Traum wird wahr, als ich meinen Reisepartner Peter, der von der gleichen Idee besessen war, auf einem Bikermeeting treffe. Gesagt - Getan! Nach einem Jahr Vorbereitung und Planung starten wir im September 2005 ins große Abenteuer. 12000 km waren es, vom Main bis zum Ararat, vorbei an der Iran-Irakischen Grenze und wieder zurück, es war eine erlebnisreiche Tour, die mein Leben grundlegend verändert hat. 

Ausgerüstet mit allen lebenswichtigen Dingen rollen unsere schweren BMWs vom Main, wo wir zuhause sind, über die Strassen von Deutschland und Österreich nach Ungarn an den Plattensee und dann weiter über die rumänische Grenze. Bis dorthin sind wir 570 km gefahren. Wir stellen die Uhren eine Stunde vor und düsen weiter in die Karpaten. Solch schlechte Strassen haben wir noch nicht gesehen! Das erste tiefere Schlagloch lässt Udos Topcase abfliegen. Sein darin transportiertes Laptop hat diesen Absturz - Gott sei Dank - unbeschadet überstanden.

Der immer wieder sichtbare Unterschied zwischen arm und reich ist wirklich erschreckend. Da auch Pferdefuhrwerke in Rumänien mit Kennzeichen ausgerüstet sind, sehen wir des öfteren Luxuskarossen und Leiterwagen mit rappeldürren Pferden, die aus dem gleichen Ort kommen, nebeneinander herfahren.

Die schlechten Strassen bringen unseren Zeitplan ziemlich durcheinander, sodass wir nach 530 km in einem Motel ca. 60 km vor Bukarest unseren Tag abschließen. 

Am nächsten Tag geht es über Bukarest in die Türkei. Da wir den Abzweig auf die Umgehungsautobahn verpasst haben, führt unser Weg mitten durch die rumänische Hauptstadt. Glücklicherweise ist Sonntag, und somit zu so früher Zeit sehr wenig Verkehr. Nachdem Bukarest hinter uns liegt, machen wir uns auf in Richtung bulgarische Grenze, wo wir uns in die Warteschlange einreihen. Nach kurzen Kontrollen geht es auf direktem und schnellstem Weg an die letzte, aber aufwändigste Grenze, die türkische. Nachdem wir an vier verschiedenen Schaltern unser Sprüchlein aufsagen und zum Abschluss für 3 Euro p.P. durch die Desinfektionswanne geschleust werden, sind wir endlich auf türkischem Boden. In der ersten Stadt, in Edirne, suchen wir uns eine Bleibe, eine Pension für 15 TL, knapp 10 Euro, der Komfort ist dementsprechend. Im selben Haus wollen wir auch in einer Dönerbude unser Abendessen einnehmen, lassen dies aber, nachdem der Wirt für zwei kleine Zahnputzgläser Efes-Bier 12 TL, ca. 8,50 Euro, haben will.

Nach kurzer Nacht, der Muezzin ruft jeden Morgen um 5.00 Uhr zum Gebet, starten wir um 7.30 Uhr. Pünktlich um 12.00 Uhr überqueren wir die Bosporus-Brücke und sind... in Asien. Kurz hinter Istanbul biegen wir ab in Richtung Schwarzes Meer. Unterwegs genießen wir unsere erste Gözleme und die erste Begegnung mit einem türkischen Stehklo. Peter leidet nach der stehenden Benutzung desselben mehrere Tage unter ziemlichen Muskelkater. Nach 540 km treffen wir um 18.15 Uhr in Karasu ein. Da am Schwarzen Meer die Saison schon vorbei ist, sind wir sehr froh, dass uns ein Deutschtürke bei der Zimmersuche unterstützt. Im Hotel "Aqua Park" kommen wir, nach vielen Versuchen, für 55 TL unter.

Nach einem ausgiebigen Frühstück machen wir uns um 8.00 Uhr auf den Weg Richtung Osten. Nach kurzer Fahrt geraten wir an eine Straßenbaustelle, an der gerade eine frische Schicht, ca. 1 cm, Flüssigbitumen aufgetragen war. Da es keine Umfahrung gibt, müssen wir ca. 5 km durch diese zähe Masse fahren und sind ziemlich geschockt, wie unsere Motorräder danach aussehen. Nach weiteren 5 km finden wir eine Werkstatt, wo gerade LKWs gewaschen werden. Als der Chef die Bescherung an unseren Motorrädern sieht, wird sofort der beste Mann zum Reinigen der "Kühe" abgestellt. Er weicht das Ganze mit reichlich Diesel ein und putzt anschließend direkt mit den Fingern. Das Ergebnis kann sich sehen lassen. Unsere BMWs sind wieder ansehnlich, die Bremsen aber, durch die Dieseldusche, für 4 Tage fast unbrauchbar.

Nach 250 km erreichen wir am Nachmittag den wunderschönen alten Fischerort Amasra (Sesamos).

Der 17 km von Bartin entfernte Ort ist über den Fundamenten einer im 6. Jh. v. Chr. von den Miletern auf einer zwischen zwei Buchten gelegenen Halbinsel gegründeten Handelskolonie entstanden und einer der schönsten Orte an der Schwarzmeerküste. Die östliche Seite ist zum Baden besonders gut geeignet. Auf einer felsigen Anhöhe erheben sich die Überreste einer byzantinischen Burg, in der sich die Fatih-Moschee, eine ehemalige Kirche, befindet. Die Nekropole stammt aus der römischen Zeit. Historische Funde, die von der Geschichte der Stadt zeugen, sind im archäologischen Museum ausgestellt. In Geschäften in der Çekiciler-Straße fallen schöne holzgeschnitzte Zier- und Gebrauchsgegenstände auf.

Nach kurzer Suche begleitet uns wieder ein älterer Deutschtürke zu einer schönen Ferienwohnung, für die wir gern 25 TL bezahlen. Da noch Zeit bis zum Abendessen bleibt, waschen wir noch unsere Wäsche.

Heute starten wir ziemlich früh und Udo kommt nicht ganz so gut aus den Federn, halt jeden Morgen die gleiche Zeremonie: Gepäck aufladen, festzurren, prüfen...und los!!!

Kurz hinter Amasra beginnt eine für Motorradfahrer sehr aufregende Küstenstraße. Kurven über Kurven, höchstens 50 m Gerade. Links von uns fällt die Steilküste ins tiefblaue Meer hinab, über unseren Köpfen steigen Kormorane auf.

Nach zwei Stunden Fahrt haben wir nicht einmal 60 km geschafft. Diese Strecke ist ein absoluter Hochgenuss! In dieser Stimmung erreichen wir Sinop, eine der schönsten Städte am Schwarzen Meer mit einem romantischen Fischereihafen voller einladender Restaurants, bunten Märkten und einer gut erhaltenen alten Stadtmauer. Die Stadt hat über mehrere Jahrtausende eine bedeutende Rolle als Kultur- und Handelszentrum eingenommen und erlebte den Durchzug vieler Völker wie der Griechen, Römer und der Seldschuken.

Ab Sinop empfinden wir die Landschaft nicht mehr so interessant. Durch große Industriestädte und Kohleabbaugebiete bringt uns die Strasse über Samsun nach Giresun, wo wir für 35 TL ein schönes Hotel finden und uns einen erholsamen Abend gönnen. In der Nacht fallen die ersten Regentropfen. 

Abfahrt am nächsten Morgen ist um 8.00 Uhr. Wenig später nähern wir uns Trabzon, von dort aus erreichen wir durch ein sehr schönes Seitental das Sumela-Kloster südlich von Trabzon im Distrikt Macka. Das Kloster ist auch unter dem Namen Marienkloster bekannt. Dieses Kloster ist einer der bedeutendsten heiligen Orte der orthodoxen Kirche in Anatolien. Der Überlieferung gemäß wurde es im Jahre 385 durch zwei aus Athen kommende Mönche gegründet. In der Mitte des XIV. Jhs. wurden die Mönchszellen angebaut, und das Kloster erhielt sein heutiges Aussehen. Nach Eroberung dieser Gegend durch osmanische Truppen im Jahre 1461 hielt das Kloster seinen Betrieb aufrecht und wurde weiterhin zu den ihm eigenen Zwecken genutzt. Im Jahre 1972 wurde es als Nationalerbe unter Schutz gestellt und für den Besuch geöffnet. Da die letzten 600 m nur zu Fuß begehbar sind, verzichten wir auf eine Besichtigung, da wir die Motorräder nicht unbeaufsichtigt stehen lassen wollen.

Derweil wird Udo von einigen älteren türkischen Männern in eine Ruine zum Vespern und einem Raki eingeladen. In dieser fantastischen Natur schmeckt der würzige Schafskäse mit schwarzen Oliven besonders gut. Leider verbietet die Null-Promille-Grenze einen zu großen Zuspruch an der türkischen Löwenmilch.

Übernachtet wird in Arhavi, wo wir unsere Motorräder in der Hotellobby parken dürfen, damit sie sicher untergebracht sind. Die türkische Hilfsbereitschaft ist wirklich lobenswert, nicht mal vor Ölflecken auf dem blankgeputzten Boden wird zurückgeschreckt!

Am nächsten Tag verlassen wir die Küstenstraße am Schwarzen Meer kurz hinter Arhavi. Nach kurzer Fahrt erreichen wir eine riesige Baustelle, den neuen gigantischen Staudamm bei Artvin. Über ca. 30 km geht es auf einem aufgeschütteten Damm, entweder staubtrocken oder gewässert und sehr schmierig, dahin. Es ist schon extrem, wie hier in die Natur eingegriffen wird!

Auf dem ostanatolischen Hochland erleben wir Nomaden, die in ihren Jurten mit den Tieren wie vor 500 Jahren leben. Frauen, die ihre Wäsche im Fluss waschen und ein Pferdekadaver daneben, den ein riesiger Kangal (Hirtenhund) mit Genuss auffrisst.

Am Nachmittag erreichen wir Kars und sehen zum ersten Mal den heiligen Berg Ararat, an dem der Bibel nach die Arche Noah landete, und der mit 5 137 Metern die höchste Erhebung der Türkei darstellt. In diesem Gebiet entspringen auch die beiden Flüsse Tigris (Dicle) und Euphrat (Firat).

Der große Ararat ist ein erloschener Vulkan und befindet sich im Grenzgebiet zu Armenien und dem Iran. Er ist, obwohl er in der Türkei liegt, das Nationalsymbol Armeniens und steht im Zentrum des armenischen Nationalwappens.

Nach 450 km erreichen wir Igdir, welches genau im Dreiländereck Türkei, Armenien und Iran liegt. Geschlafen haben wir im besten Haus am Platz, dem Hotel Olympia.

Unweit von Igdir liegt Dogubeyazit, ein wichtiger Durchgangsort für Reisende aus dem und in den Iran. Bis zur iranischen Grenze sind es von hier rund 35 km. Wir wollen uns einen der spektakulärsten Bauwerke der Türkei anschauen. Der Ishak Pasa Sarayi ist ein zwischen 1685 und 1784 erbauter und heute in Ruinen liegender burgähnlicher Palast des kurdischen Emirs von Dogubeyazit Çolak Abdi Pasa und seines Sohnes Ishak Pasa II. Er liegt im äußersten Osten der Türkei, etwa 6 km von der Stadt Dogubeyazit entfernt an einem Berghang. Der Gebäudekomplex vereint armenische, georgische, persische, seldschukische und osmanische Architekturstile.

Wir fahren weiter zum Vansee. Wir befinden uns noch auf über 2000 m Höhe - die Steinwüste will kein Ende nehmen. Unterwegs lauern wieder mehrere Kangal-Hunde auf Opfer und denken, dass wir in ihr Beuteschema passen. Für den Frontfahrer stellt dies mit der Zeit kein großes Problem mehr dar, da er sie gut ausbremsen kann. Nur der hintere Fahrer, muss dann immer mit 3 oder 4 halbwilden, riesigen Hirtenhunden, die mitten auf der Strasse stehen, fertig werden. Das war manchmal ganz schön knapp! Daher kommt wohl der Spruch, den Letzten beißen die Hunde ;-)!

Einige Militärkontrollen passieren wir problemlos. Immer sehr freundlich werden wir befragt, wo es hingehen soll und die BMWs sind auch immer Bestandteil der Unterhaltungen. Wie teuer, wie schnell... das interessiert die uns umstehenden türkischen Landsleute, welche uns gern in ihre Teehäuser zum Çay einladen.

Wir wollen an diesem Tag unbedingt Diyarbakir erreichen, fahren schon an die 150 km Schotterpiste, der Straßenneubau ist sehr schwierig zu fahren, vom Grobschotter bis zur frischen Bitumenschicht ist alles dabei, und die LKWs vor uns, die mit Sicherheit nicht die deutsche Abgasnorm erfüllen, stauben uns ein. Wir scheinen so langsam am Ende unserer Kräfte zu sein, die Fahrspur wechselt immer wieder von ein- auf zweispurig, bis wir zuletzt nicht mehr wissen, ob wir Gegenverkehr haben oder nicht. So konnten wir bei einem Überholmanöver einen Zusammenstoß mit einem Lkw nur noch in letzter Sekunde abwenden.

In tiefster Dunkelheit treffen wir in Diyarbakir ein und finden nach längerer Suche auch ein schönes Hotel. Die Motorräder schlafen in 250m Entfernung auf einem bewachten Parkplatz nach insgesamt 580 km anstrengendem Ritt.

Von Diyarbakir starten wir am anderen Tag in Richtung Nemrut Dagi. Um die Mittagszeit erreichen wir den Atatürk-Stausee. Nach ca. einer Stunde Wartezeit setzen wir mit einer kleinen Fähre ans andere Ufer über, wo Fischerleute uns neugierig beobachten und uns stolz ihre frisch gefangenen Aale zeigen. Seitlich biegen wir dann ab zum Nemrut Dagi und fahren durch ein sehr schönes Tal bis zum Hotel Karavanserei. Außen 4 Sterne, entpuppte es sich allerdings schnell als schlechtes 1-Sterne-Hotel. Heute, am 13. Tag, ist ein Pausentag eingeplant. Trotzdem fahren wir zu einer alten Römerbrücke, die Julius Cäsar für seinen Ägyptenfeldzug hat bauen lassen. Wir besichtigen das Königinnengrab in Kommagene/Kahta und besuchen eine Teppichknüpferei. Abends nehmen wir den Dolmus auf den Nemrut Dagi, um den Sonnenuntergang zu bestaunen und die Stoßdämpfer zu schonen.

Der 2150m hohe Berg Nemrut liegt 85 km nordöstlich von Adyaman im Taurusgebirge. Auf seinem Gipfel erhebt sich die monumentale Kombination aus Heiligtum und Grabstätte dreier Könige des Volkes der Kommagene, errichtet von König Antiochos I. Theos (69-36 v. Chr.) und dessen Vater Mithradates I. Kallinikos (109-69 v. Chr.) als Zeichen derer Macht und Verbundenheit mit den Göttern. Die Kultstätte wurde erst vor knapp 200 Jahren von Archäologen wiederentdeckt und 1987 als Weltkulturerbe in die UNESCO- Liste aufgenommen.

Das Grabmal besteht aus einer Geröllaufschüttung von 150 m Durchmesser und 50 m Höhe, an deren Terrassen gigantische Götterstatuen und Reliefstelen stehen. Im Laufe der Zeit haben Erdbeben, Unwetter und der Mensch selbst dafür gesorgt, dass die einstmals 8-10 m hohen Statuen heute kopflos stehen und ihre Häupter durcheinander gewürfelt zu Boden liegen.

Die eigentliche Grabstätte und ihre Geheimnisse sind ungeachtet vieler Versuche, in das Innere vorzudringen, bis heute nicht offengelegt. Mit diesem Hintergrundwissen sind wir sehr gespannt auf das, was uns erwartet.

Die letzten 300 Höhenmeter müssen wir über einen sehr holprigen Gehweg bewältigen. Die Götterstatuen, der Wahnsinnsausblick und der atemberaubende Sonnenuntergang sind aber das Gekraxel wert.

Vom Nemrut Berg aus führt uns unsere Reise über Kayseri nach Kappadokien.

Unterwegs treffen wir auf zwei junge Ingolstädter. Sie sind schon seit 3,5 Jahren auf Weltreise. Mit dem Fahrrad durchquerten sie Russland, China, Südamerika, Neuseeland und Australien. In Thailand kauften sie ein Tuk-Tuk und sind nun auch schon 27.000 km damit unterwegs. Ihr Weg führt sie weiter über Syrien, Libyen und Tunesien nach Frankreich. Im Dezember wollen sie mit dem Tuk-Tuk die Alpen überqueren und Weihnachten zuhause sein. Dagegen kommt mir unsere Tour wie ein Sonntagsausflug vor! Hut ab!

Als wir am nächsten Morgen aufwachen, erleben wir zu ersten Mal Regen. Die Abfahrt zögern wir etwas hinaus, es wird aber nicht besser. Gummiklamotten an und los! Nach einer Stunde hellt es auf und in Kappadokien begrüßt uns wieder Traumwetter. Nachdem wir in Ürgüp ein schönes Zimmer bezogen haben, geht es ohne großes Gepäck auf eine Runde durch diese faszinierende Tuffsteinlandschaft. Wind und Regen haben im Laufe der Jahrtausende die Lava der drei umliegenden erloschenen Vulkane zu mondartigen Felsformationen geformt. Menschen haben zur Zeit der Christenverfolgung die Tufffelsen ausgehöhlt und Kirchen sowie unterirdische Städte hineingebaut. Ein Gebiet, das seinesgleichen auf unserer Erde sucht und von internationalen Touristen zu jeder Jahreszeit besucht und erwandert wird.

Beim Betrachten der faszinierenden Landschaft wird Udo plötzlich von einer deutschen Frau angesprochen, die sehr verwundert war, dort eine BMW mit deutscher Nummer zu sehen. Kurzum bot sie ihm an, in ihrem eigenen Hotel in Side an der Mittelmeerküste Rast zu machen.

Weiter geht es am 16. Tag nach Konya, dem religiösen Zentrum der Türkei. Hier will Peter einen alten, türkischen Freund überraschen. Als kleiner Junge hat er Ali damals das Fahrradfahren gelehrt. Ali ist vor 20 Jahren wieder zurück in sein Heimatland gegangen und sie hatten seitdem keinerlei Kontakt miteinander. Nach kurzer Suche stehen wir vor dem Hochhaus, in dem er und seine Frau leben. Ein Nachbar klingelt ihn heraus und bitte ihn herunterzukommen. Er kommt auf uns zu und kann offensichtlich nicht viel mit uns anfangen. Auf unsere Frage, ob er Peter nicht erkennt, kam ein "Nein!". Nachdem wir ihm etwas auf die Sprünge helfen, freut er sich sehr und wir werden mit Çay und Kuchen verwöhnt. Wir setzen unsere Reise fort bis nach Beysehir und haben heute 380 km zurückgelegt.

Am nächsten Tag steht nur ein Katzensprung auf dem Plan. Nach Side sind es nur 200 km. Mitten im Touristentrubel müssen wir uns erst einmal wieder zurechtfinden.

Im NAR-Apart-Hotel, dem Tip der deutschen Frau, die Udo in Göreme getroffen hat, finden wir sehr schöne Zimmer zu moderaten Preisen.

mehr übers NarApart in Side!

Wir unternehmen einen Tagesausflug nach Anamur zur Mamure Kalesi, einer im 12. Jahrhundert von Armeniern erbauten Burg direkt am Meer. Ein herrliches Gefühl, unbeladen ohne Koffer, Tankrolle und Topcase durch die Kurven schwingen zu können, die sich die Küstenstrasse entlang ziehen.

Am Tag darauf gönnen wir uns einen kompletten Ruhetag! Relaxen am Pool im Nar Apart in Side steht an erster Stelle. In diesem Hotel unter deutsch-türkischer Leitung sind Motorradfahrer sehr willkommen. Hier lernen wir Christiane näher kennen, die seit 5 Jahren dieses Hotel betreibt und uns viele gute Tips zu unserer Weiterreise gibt.

Von Side unternehmen wir einen Abstecher in den Köprülü-Canyon. Hier war Peter schon zum Rafting und will die kurvenreiche Strasse mit dem Motorrad fahren. Danach fahren wir über Antalya nach Kemer. In der Kiris-Bucht sind Peters "Schwiegereltern" im Urlaub und feiern den 70. Geburtstag von "Schwiegermama". Kurzerhand quartieren wir uns im 5 Sterne AI Hotel "Kiris Resort" ein und überraschen die Beiden. Zum Preis von 106 Euro kommen wir unter, und für Udo hat sich der Preis schon am Abend amortisiert. Wir genießen die angebotenen Durstlöscher in ein bisschen zu großen Zügen und müssen am nächsten Tag ein wenig leiden.

Am 21. Tag machen wir uns langsam wieder auf in Richtung Westen. Entlang der Küste fahren wir über kurvenreiche Strassen 450 km bis Mugla. Wir wollen eigentlich in Marmaris übernachten, leider ist die Stadt aber wegen Straßenbaustellen von keiner Seite erreichbar.

70 km vor Izmir passieren wir Ephesos, eine der bedeutendsten und ältesten griechischen Städte Kleinasiens (heute Türkei) im Altertum. Sowohl Name als auch ursprüngliche Besiedlung stammen aus vorgriechischer Zeit. Heute stellt Ephesos u. a. mit der restaurierten Celsus-Bibliothek aus dem 2. Jh. n. Chr. eine der touristischen Hauptattraktionen der Türkei dar. Bekannte Namen wie Hannibal, Herakles oder Johannes der Apostel verweilten hier und hinterließen ihre Spuren. An diesem beeindruckenden Ort spürten wir förmlich die Geschichte der Antike. Bis nach Ayvalik sind wir insgesamt 490 km an diesem Tag gefahren.

Am Morgen des nächsten Tages besichtigen wir Troja, eine Stadt voll Geschichte, Archäologie und Mythos. Sehenswerte Ausgrabungen zeigen mehr als 10 Siedlungsschichten verschiedener Epochen, die frühsten aus der Bronzezeit. Besonders bekannt ist das Trojanische Pferd, welches in der griechischen Mythologie als Kriegslist benutzt wurde und mit deren Hilfe die Griechen den Trojanischen Krieg gewannen. Um 12.00 Uhr erwischen wir gerade noch die abfahrbereite Fähre über das Marmarameer nach Europa. Nach kurzer Fahrt auf europäischem Boden entschließen wir uns, den Rückweg über Griechenland und Jugoslawien anzutreten.

Neue Autobahnen tragen uns wie im Flug 630 km durch Griechenland und Mazedonien bis nach Serbien und am nächsten Tag mit der gleichen Kilometerzahl bis nach Slavonski Brod.

Am nunmehr 26. Tag fahren wir über die Landstrasse in Richtung Plitvice. Trotz einiger Warnungen von Kroaten fahren wir quer durch Bosnien. Nach einigen Kilometern ist uns klar, warum keiner wollte, dass wir hier entlang fahren. Kriegsspuren, als wäre es erst gestern gewesen. Alle paar Meter finden wir Gedenktafeln für gefallene Soldaten und Zivilisten, was wir als sehr bedrückend empfinden. Am Nachmittag erreichen wir die Plitvicer Seen und quartieren uns im Hotel Plitvice direkt am Eingang zum Nationalpark ein. Nach einer heißen Badewanne sind unsere Lebensgeister bei sehr kühlen Temperaturen wieder geweckt.

Ein Besuch der Plitvicer Seen lohnt sich! Auf der großen Runde durch einen der schönsten Nationalparks Europas sehen wir alle Wasserfälle der 16 größeren und kleineren Seen und eine wunderschöne vielfältige Pflanzen- und Tierwelt.

An den nächsten Tagen Richtung Heimat spürten wir schon den Spätherbst. Die Tour führte uns von Plitvice über Autobahn und Landstrasse an den Plattensee. Temperaturen um die 8 Grad Celsius lassen uns die Neoprenmasken auspacken. Nur schnell nach Hause, wo uns ein tolles Mittagessen in Form von Leberknödelsuppe und Schweinskrustenbraten, was wir unheimlich vermisst haben, erwartet!

Ein Möglichkeit sich die langen Autobahnfahrten zur oder von der Türkei zu ersparen wäre den legendären Orientexpress von Wien bis Edirne zu buchen. Dort haben dann auch natürlich die Motorräder in einem Waggon ihre Ruhepause!

Weitere tolle 360 Stück umfassende Fotos von unserer Tour gibt es unter: http://www.pixum.de/viewalbum/?id=1909503 zu sehen sowie hier unsere Tour auf der Landkarte zum Anschauen...

Wir wünschen allzeit Gute Fahrt! - Danke an Udo und Peter!

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Erstellungsdatum: 11. August 2006

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